Wie verabredet war ich am nächsten Tag um 1 bei CAPU, meine Chefin kam dann auch mal "ahorita" und gemeinsam machten wir uns auf den weg zum Centro JUCONI. Als wir ankamen erhielt ich erstmal eine Führung durch die Räumlichkeiten.
Nach der Gittertüre kommt rechts das Büro der Koordinatorin, Tonja, links ist der Speisesaal, Comedor, mit angrenzendender Küche. In der Mitte des Hauses befindet sich ein Innenhof mit großem, an Umweltschutz und Recycling appelierendem Wandgemälde. Auf der Rückseite befinden sich die beiden Zimmer für die Babys, zwischen 0 und 3, beziehungsweise 3 und 6 Jahren. links davon ist das Treppenhaus, das in den Zweiten Stock führt. Über den Balkon, der 3/4 des Innenhofs im ersten Stock umgrenzt, kommt man zu den Zimmern für die 6 bis 10 Jährigen und 11 bis 14 Jährigen auf der Vorderseite des Hauses, und der Krankenabteilung und dem Sitzungssaal für Eltern und Psychologen auf der Rückseite des Hauses. Außerdem gibt es Toiletten im Obergeschoss. Links neben dem Gebäude befindet sich ein zum Zentrum gehörender und durch Mauern abgegrenzter Spielplatz mi Schaukeln und Klettergerüst, ein Sportplatz in größes eines Tennisplatzes mit Hockeytoren und Basketballkörben und ein Abstellraum für andere Sportgeräte.
Montags und mittwochs sollte ich mit den 6 bis 10 Jährigen arbeiten, dienstags und donnerstags mit den 11 bis 14 Jährigen. Dabei bin ich immer mit einer Hauptangestellten zusammen und helfe ihr. Während der ersten zwei, drei Wochen war ich ganz schön niedergeschmettert. Nicht nur, dass ich wenig verstanden hab, bei Kindern, die dich nicht anschauen beim sprechen und dazu noch die Hand im Mund haben kein Wunder, sondern auch, dass die Kinder mir nicht zugehört haben, wenn ich ihnen etwas gesagt habe. Noch heute gibt es ein zwei Kinder die einen komplett ignorieren, wenn man mit ihnen redet, das geht den anderen aber genau so. Dass die Projektregeln sagen, das Wort "nein" sei so weit es geht zu vermeiden, macht mir die Sache als Sprachanfänger noch um einiges schwieriger.
Was mich auch frustriert hat, war, dass meine Arbeit komplett anders ist als erwartet. Ich muss zugeben, ich hatte Abenteuerlust und war richtig heiß darauf mit Kindern die auf der Straße leben in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu arbeiten, doch nun fand ich mich eher in Position eines Kindergärtners wieder. Nicht nur, dass diese Kinder Haus und Familie haben, sie gehen auch zur Schule, werden zum Teil von ihren Eltern mit Spielsachen und Süßigkeiten verwöhnt und sind einfach anders als ich es erwartet hatte. Ich war richtig enttäuscht.
Anfangs habe ich auch nicht verstanden, warum wir die ganze Woche nur gebastelt haben; es ging auf Dia de los Muertos zu, dazu jedoch später mehr. Inzwischen versteh ich meine Arbeit besser und sie macht mir richtig Spass! Ich kann mich mit den Kindern unterhalten, sie folgen (meißtens) meinen Anweisungen, sind zutraulicher, spielen mit mir...
Das Schulsystem in Puebla sieht zwei unabhängige Abläufe vor (keine Ahnung wie man das ausdrücken soll). Es gibt einen "Turno Matutino" und einen "Turno Vesperotino". Man ist also entweder morgens oder nachmittags in der Schule, dies gilt für Schüler, Lehrer und andere Angestellte. Die beiden Kreise sind komplett voneinander getrennt.
Den jeweils anderen Teil des Tages kommen die Kinder deren Eltern auf dem Markt arbeiten zu uns ins Projekt und werden dort beaufsichtigt. Da der Mercado Hidalgo sehr groß ist und es viele Kinder gibt, werden nur die "schlimmsten Fälle", also solche mit starken Problemen in der Familie, aufgenommen. Insgesamt sind knapp unter 100 Kinder im Projekt aufgenommen. Wir arbeiten nicht nur mit den Kindern, sondern halten auch Sitzungen mit ihren Eltern zusammen und Veranstalten "Mutter und Kind Turnen".
Für mich ist der Tagesablauf quasi immer der gleiche. Um neun Uhr kommen die Kinder, bis halb zehn dürfen sie draußen im Hof spielen. Dann geht es ins Klassenzimmer, wo wir "Reunion" halten, jeder sagt wie er sich fühlt, sein Tagesziel (Hausaufgaben erledigen, Ball spielen, für Mama/Papa/... ein Bild malen, sich im Speisesaal benehmen,...) und wer ihm dabei helfen soll/kann und arbeiten dann an ihren/unseren Zielen. Um halb elf gehen wir zum Essen, elf Uhr Sport, halb zwölf bis halb eins wieder im Klassenzimmer unsere Ziele verfolgen. Nach einer abschließenden Reunion (Ziel erreicht, wie ging es dir dabei?) und Putzrunde dürfen die Kinder um 1 Uhr gehen. Bis 2 Uhr hab ich Mittagspause, die ich mit meinen Kollegen / -innen verbring und dann fängt der Spass von vorne an. Zwei mal die Woche kommt ein Sportlehrer, Jaime, dann ist die Sportstunde tatsächlich eine Stunde.


