Donnerstag, 26. November 2009

Die ersten Wochen Arbeit

Wie verabredet war ich am nächsten Tag um 1 bei CAPU, meine Chefin kam dann auch mal "ahorita" und gemeinsam machten wir uns auf den weg zum Centro JUCONI. Als wir ankamen erhielt ich erstmal eine Führung durch die Räumlichkeiten.

Nach der Gittertüre kommt rechts das Büro der Koordinatorin, Tonja, links ist der Speisesaal, Comedor, mit angrenzendender Küche. In der Mitte des Hauses befindet sich ein Innenhof mit großem, an Umweltschutz und Recycling appelierendem Wandgemälde. Auf der Rückseite befinden sich die beiden Zimmer für die Babys, zwischen 0 und 3, beziehungsweise 3 und 6 Jahren. links davon ist das Treppenhaus, das in den Zweiten Stock führt. Über den Balkon, der 3/4 des Innenhofs im ersten Stock umgrenzt, kommt man zu den Zimmern für die 6 bis 10 Jährigen und 11 bis 14 Jährigen auf der Vorderseite des Hauses, und der Krankenabteilung und dem Sitzungssaal für Eltern und Psychologen auf der Rückseite des Hauses. Außerdem gibt es Toiletten im Obergeschoss. Links neben dem Gebäude befindet sich ein zum Zentrum gehörender und durch Mauern abgegrenzter Spielplatz mi Schaukeln und Klettergerüst, ein Sportplatz in größes eines Tennisplatzes mit Hockeytoren und Basketballkörben und ein Abstellraum für andere Sportgeräte.

Montags und mittwochs sollte ich mit den 6 bis 10 Jährigen arbeiten, dienstags und donnerstags mit den 11 bis 14 Jährigen. Dabei bin ich immer mit einer Hauptangestellten zusammen und helfe ihr. Während der ersten zwei, drei Wochen war ich ganz schön niedergeschmettert. Nicht nur, dass ich wenig verstanden hab, bei Kindern, die dich nicht anschauen beim sprechen und dazu noch die Hand im Mund haben kein Wunder, sondern auch, dass die Kinder mir nicht zugehört haben, wenn ich ihnen etwas gesagt habe. Noch heute gibt es ein zwei Kinder die einen komplett ignorieren, wenn man mit ihnen redet, das geht den anderen aber genau so. Dass die Projektregeln sagen, das Wort "nein" sei so weit es geht zu vermeiden, macht mir die Sache als Sprachanfänger noch um einiges schwieriger.

Was mich auch frustriert hat, war, dass meine Arbeit komplett anders ist als erwartet. Ich muss zugeben, ich hatte Abenteuerlust und war richtig heiß darauf mit Kindern die auf der Straße leben in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu arbeiten, doch nun fand ich mich eher in Position eines Kindergärtners wieder. Nicht nur, dass diese Kinder Haus und Familie haben, sie gehen auch zur Schule, werden zum Teil von ihren Eltern mit Spielsachen und Süßigkeiten verwöhnt und sind einfach anders als ich es erwartet hatte. Ich war richtig enttäuscht.

Anfangs habe ich auch nicht verstanden, warum wir die ganze Woche nur gebastelt haben; es ging auf Dia de los Muertos zu, dazu jedoch später mehr. Inzwischen versteh ich meine Arbeit besser und sie macht mir richtig Spass! Ich kann mich mit den Kindern unterhalten, sie folgen (meißtens) meinen Anweisungen, sind zutraulicher, spielen mit mir...

Das Schulsystem in Puebla sieht zwei unabhängige Abläufe vor (keine Ahnung wie man das ausdrücken soll). Es gibt einen "Turno Matutino" und einen "Turno Vesperotino". Man ist also entweder morgens oder nachmittags in der Schule, dies gilt für Schüler, Lehrer und andere Angestellte. Die beiden Kreise sind komplett voneinander getrennt.

Den jeweils anderen Teil des Tages kommen die Kinder deren Eltern auf dem Markt arbeiten zu uns ins Projekt und werden dort beaufsichtigt. Da der Mercado Hidalgo sehr groß ist und es viele Kinder gibt, werden nur die "schlimmsten Fälle", also solche mit starken Problemen in der Familie, aufgenommen. Insgesamt sind knapp unter 100 Kinder im Projekt aufgenommen. Wir arbeiten nicht nur mit den Kindern, sondern halten auch Sitzungen mit ihren Eltern zusammen und Veranstalten "Mutter und Kind Turnen".

Für mich ist der Tagesablauf quasi immer der gleiche. Um neun Uhr kommen die Kinder, bis halb zehn dürfen sie draußen im Hof spielen. Dann geht es ins Klassenzimmer, wo wir "Reunion" halten, jeder sagt wie er sich fühlt, sein Tagesziel (Hausaufgaben erledigen, Ball spielen, für Mama/Papa/... ein Bild malen, sich im Speisesaal benehmen,...) und wer ihm dabei helfen soll/kann und arbeiten dann an ihren/unseren Zielen. Um halb elf gehen wir zum Essen, elf Uhr Sport, halb zwölf bis halb eins wieder im Klassenzimmer unsere Ziele verfolgen. Nach einer abschließenden Reunion (Ziel erreicht, wie ging es dir dabei?) und Putzrunde dürfen die Kinder um 1 Uhr gehen. Bis 2 Uhr hab ich Mittagspause, die ich mit meinen Kollegen / -innen verbring und dann fängt der Spass von vorne an. Zwei mal die Woche kommt ein Sportlehrer, Jaime, dann ist die Sportstunde tatsächlich eine Stunde.

Samstag, 7. November 2009

Letzte Vorbereitungen zur Arbeit, meine Gastfamilie( und anderes)


In der zweiten Woche des Sprachkurses ist eigentlich nicht viel passiert. Unterricht wie immer, und 2 Treffen mit Gabi.

Beim einen haben wir über Rassismus in Mexico diskutiert. Dazu war ein Uniprofessor zu besuch, der auf Spanisch referiert hat, aber auch auf Deutsch Fragen beantworten konnte, alles war also gut verständlich. Inhaltlich ging es weniger um das Dritte Reich (man sieht hier Hakenkreuze in gleicher Häufigkeit, wie Pentagramme in Deutschland; das liegt daran, dass hier nur ansatzweise über Hitler aufgeklärt wird) sondern um den Mexicanischen Rassismus, der sich meist gegen die indigene Bevölkerung, also die ursprüngliche Bevölkerung, direkte oder indirkte Nachkommen der Mayas, Atzteken und anderer süd- bis mittelamerikanischer Stämme und Ureinwohner. Trotz vieler Versuche der Aufklärung und Herstellung eines gerechten Systems ohne Vorurteile werden Indigene weiterhin benachteiligt und misbiligt.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einen Nachtrag zu meinem dritten Blogeintrag liefern. Nachdem ich im zweiten das grandiose Frühstück gepriesen hatte, wollte ich damit eigentlich auf eine Story der weiteren Tage hinleiten. Das Frühstück blieb nämlcih auf ähnlich hoher Qualität. Töglich erhalte ich meinen Frisch gepressten Saft, geschälte Papaya, gekochtes Gemüse und ein Sandwich oder Taco (was nichts anderes als ein belegter Tortilla ist), meißt mit Avocado, Käse und Schinken. Am Dienstag, also dem 4 Tag meines Aufenthaltes kam abends dann ein Mädchen in mein Zimmer und Fragte mich, ob ich schmutzige Wäsche hätte. Nun machte plötzlich alles ein Sinn: das gerichtete Frühstück, das Täglich anders gemachte Bett, als ich es gekmacht habe, der immer geleerte Mülleimer und der stets Blitz blanke Boden. Wir haben eine Haushälterin: Amalia (Name war mir bereits aus den Räubern bekannt ;)  ) sie ist 24 und kommt aus einem Dorf in der weiteren Umgebung Pueblas. Dieses Dorf ist auch das Heimatdorf meiner Gastmutter und ihrer Familie (12 Geschwister), die jetzt aber ebenfalls in Puebla wohnt. Im alter von 15 Jahren habe Amalia etwa 5 Jahre bei meiner Gastoma im Haushalt geholfen, dann sei sie heim, habe 3 Kinder geboren und lebe jetzt mit uns. Dass ich sie erst nach 4-5 Tagen "entdeckt" hab, liegt daran, dass sie Samstag den ganzen Tag Kleidung gewaschen hat, sonntags frei hat und ihre Familie besucht, Montag ich den ganzen Tag fort war und sie demnach erst Dienstag nach der Sprachschule gesehen hab. Sie wohnt quasi im Dachgeschoss des Treppenhauses, zu ihrem Zimmer, das gleichzeitig der Durchgang zur Wäschekammer und zum Heizkessel ist, gibt es keine Tür, das Treppenhaus führt direkt zu ihrem Bett. Mein Gastbruder lässt sich von ihr Wort wörtlich die Hand in den Schatten legen. Das Wort "wosnersprudel" ist nur deshalb noch nicht gefallen, da man hier nur stilles Wasser trinkt! Ich selber kann von mir behaupten, dass ich mein Bett inzwischen so mach, dass sie nicht denkt es besser machen zu müssen, spüle mein Geschirr ab, wenn sie mich nicht daran hindert, und halte den Boden in meinem Zimmer frei, damit sie nicht auch noch aufräumen muss, bevor sie putzt. Auch bring ich meine Kleider selbstständig ins Wäschezimmer und hole sie wieder ab, wenn sie gewaschen sind.

Da ich bereits die Haushälterin vorgestellt habe, werde ich nun auch die Vorstellung meiner Gastfamilie Nachholen.

Mein Gasteltern sind Teodoro und Margarita, beide an die 50 Jahre jung (man sagt auch nicht Senora, weil das andeutet, dass eine Frau alt ist) und im Schulgeschäft tätig. Teodora unterrichtet an der Secundaria, mit der Sekundarstufe in Deutschland vergleichbar, und dem Preparatorio, einer Art (2- jährigen so weit ich weiß) Vor-Universität, Mathe und Physik. Der Stoff geht dabei weit über das des Gymnasiums heraus. So hat er mir schon gezeigt, wie man Produkte integriert oder Wurzeln aus beliebig großen Zahlen ziehen kann. Den Job meiner Gastmutter hab ich noch nicht ganz verstanden. Sie ist Supervisor an mehreren Schulen und Universitäten, nebenher aber auch Professorin für Pädagogik und ähnliches. Von Gabi weiß ich, dass ihr Job nicht mit einer Schulleiterin oder Rektorin zu vergleichen ist. Meine Gastmutter betont auch häufig, dass sie nicht angestellte des Staates, also auch keine Art Oberlehrer, der die Einhaltung des Lehrplans kontrolliert ist... Mein Gastbruder Jesus ist ein Jahr jünger als ich und studiert am "Tecnológico de Monterrey" Medienwissenschaten. Seit seinem 8 Lebensahr ist er unsterblich in alles was mit Deutschland zu tun hat verliebt und möchte eines Tages Sportreporter in der Bundesliga werden. Da er bei der Geburt fast ums Leben gekommen wäre (daher auch der Name) ist er leicht behindert und wird von seinen Eltern verhätschelt.

Zurück zu Gabi: beim vorerst letzten offiziellen Treffen der Freiwilligen mit ihr ging es um die Einschreibung ins Fremdenregister, wie bereits zu früherem Zeitpunkt (Eintrag vom 2. November) mit "das Migration" (hier fehlt das Wort Thema) erwähnt. Nachdem Gabi Tags zuvor die nötigen Formulare besorgt hatte, verbrachten wir mehrere Stunden damit diese auszufüllen; Details wie Form und größe unserer Augenbrauen, Nase, Mund, Augen, Bartwuchs, Körperform usw. waren gefragt. Zu allem (außer Größe) aber nur Angaben wie groß-mittel-klein oder buschig-gezupft-schmal... im großen und ganzen also lächerlich. Zudem brauchten wir Stromrechnungen von unserer Gastfamilie, einen Ausweis der Gasteltern und ein Anschreiben ihrerseits, als Beweis, dass wir dort tatsächlich wohnen. Alles natürlich in Original und doppelter Kopie. Da wir Freiwillige sind, werden uns zum Glück die 2.000$ Bearbeitungsgebühr erstattet. Als ich bis Montag, 19. Oktober, also dritte Woche meines Aufenthaltes, alles zusammen hatte, begab ich mich zum "Instituto National de Migration", habe meine Papiere abgegeben und einen Stempel, wann ich den Antrag eingereicht habe. Mir wurde gesagt, ich sollte nächste Woche wieder kommen - ihr wisst schon, ahorita - inzwischen sind fast 4 Wochen vergangen und mir wurde bei meinem letzten Besuch gesagt, es dauere noch eine Woche...

Freitag der 16. Oktober war übrigens der letzte Tag des Spanischkurses. Wir habe unser "Diploma" überreicht bekommen, gemütlich gegrillt und Bierchen getrunken. Abends haben wir uns nochmal getroffen und den Abschied von den beiden Freiwilligen Lukas und Friederike gefeiert, die in Toluca arbeiten, einer Stadt etwa 3 Stunden westlich von Puebla.

An diesem Wochende war auch eine anscheinende recht wichtige Medienkonferenz an der Universität meines Gastbruders; Vertreter der Medien aus aller Welt waren anwesend, angeblich auch der Chefredakteur von National Geographic. Mein Gastbruder war als helfer tätig und hatte mir ein all-inclusive Armbändchen verschafft. Nachdem wir Donnerstagabend mit den anderen Helfern Essen waren (all-inclusive) und mein Gastbruder sich am Freitag ordentlich die Kante gegeben haben muss (als ich mit den anderen Freiwilligen unterwegs war und auswärts übernachtet habe), waren wir Samstag nicht an der großen Abschlussparty, sondern quasi Hausarrest mäßig Nachmittags bei Honguito, einem Freund von Chucho aus der Secundaria und abends zuhause :(

Sonntag war ich mit meiner Gastfamilie im Zentrum. Zuerst waren wir in der Kathedrale im Gottesdienst, danach Mixote essen, eine Art Lammgulasch, jedoch ordenltich scharf. Mein Gastvater hat das ganze noch mit Chilisoße nachgewürzt. Nachdem wir diesmal keinen Kinofilm gefunden hatten, der uns gefiel, schlenderten wir noch ein bisschen durch die Stadt und machten uns dann auf den Heimweg.

Nachdem ich Montag morgen auf dem Migrationsamt war, traf ich mich Mittags mit Livianne, der anderen JUCONI Freiwilligen des DRK am Zentralbüro von Juconi, wo wir unsere Verträge und Anhänge erhalten haben und das Projekt Juconi besprochen haben. Mein erster "Arbeitstag" war nach knappen 2 Stunden vorbei. Ich werde mit Kindern am Mercado Hidalgo, dem angeblich gefährlichsten Straßenmarkt in Puebla, arbeiten. Meine Arbeitszeiten sind Montag bis Donnerstag 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Freitags hab ich frei :) Zum Mercado Hidalgo laufe ich etwa 30 Minuten, der Bus braucht ca 10. Alles klang perfekt!


Dienstag, 3. November 2009

Wochenende Nummero Zwo (und Verwandtes)

Nachdem ich die gesamte letzte Woche recht kaputt nach der Sprachschule war, sprühte ich diesen Freitagabend (9. Oktober) förmlich vor Energie. Also machte ich mich in richtung Bolzplatz am Straßenende auf. Nachdem ich ein paar Minuten zugeschaut hatte, fragten mich die Leute ob ich mitspielen wollte. Das Feld ist kaum größer als ein 16 Meter Raum, ringsherum ist eine 1m hohe Mauer, die dann in einen 10m hohen Zaun übergeht. Die Tore sind in den Zaun eingelassen, der Boden ein moderner Kunstrasen, der inzwischen aber genau wie Tore und Zaun recht abgenutzt ist. Wir haben in 5er Teams gespielt, immer bis ein Tor fiel, dann haben die Mannschaften gewechselt. Da ich etwa einen Kopf größer bin, als die meißten Mexikaner, der einzige Blonde bin und helle Haut habe, erkannten mich die Leute auch in den nächsten Tagen wieder. Wegen meiner Größe muss ich auch etwas beim Spielen aufpassen, so hab ich im verlauf der nächsten Wochen einem Mitspieler ausversehen den Ellebogen ins Gesicht gerammt. Bei einem "gewöhnlichen" Mitteleuropär wäre das ganze an Schulter oder Oberarm abgeprallt. Am nächsten Tag hat er und zwei Freunde, Miguel und Miguel, Vater und Sohn mich zu Tequilla eingeladen. Meißtens spiele ich mit den drei zusammen, wenn ich spiele. Der Platz ist eigentlich den ganzen Nachmittag belebt, so dass immer genügend Leute zum Spielen da sind. Donnerstags ist ein halboffizielles Turnier der verschiedenen Taxiagenturen, bei dem es recht ernst zugeht. Nach ein paar fouls ist letztens eine Schlägerei ausgebrochen. Obwohl ich mit allen Leuten am Bolzplatz gut auskomme, sind sie eigentlich nicht meine Freunde, was glaub auch besser so ist. Sie kommen meißt "von der anderen Straßenseite", einem Viertel das um einiges heruntergekommener und gefährlicher ist.

Am Abend des Freitags (wieder der 9. Okotober) war ich dann it meinem Gastbruder die Freunde besuchen, mit denen wir bereits letzte Woche in der Disco waren. Unternommen haben wir nicht groß etwas, außer uns für Samstag fürs Kino zu verabreden und etwas zu plaudern.

Samstag vormittag haben wir dann mit Fußballschauen verbracht. Zuerst Deutschland-Russland, dann Mexico- El Salvador. Nachdem Mexico sich für die WM qualifiziert hatte, ging hier plötzlich mega die Party ab. Es gab zwar keine Autocorsos, wie bei uns bei der WM, aber es wurde ordentlich gejubelt und danach gefeiert und getrunken. In Deutschland ist es selbstverständlich, dass man sich Qualifiziert. So weit ich mich erinnere, hat deshalb noch niemand eine Party geschmissen.

Abends waren wir dann in "Angelopolis", dem größtem Einkaufszentrum das ich jemals gesehen hab. Das ist einfach mal die Freiburger Kaiser Josefs Straße in einem Haus. Meine Gasteltern haben dort neulich auch für etwa 1000€ Handtaschen und Parfüm gekauft, hat mich leicht angekotzt dabei zu sein, mit den Gedanken an die Straßenkinder im Hinterkopf.

Am Sonntag war ich dann mit meiner Gastfamilie in der Kirche, hier um die Ecke. Es war eine recht Familiäre Atmosphäre mit Priester der die ganze Zeit mit den Leuten geredet hat. Die Musik war auch Typisch mexicanisch mit gitarre und schlagzeug und so. Ich bin müde,...

Montag, 2. November 2009

Die erste Woche Sprachkurs und Eindrücke des Stadtlebens


Die nächsten zwei Wochen stand Sprachkurs auf dem Plan. Zum Glück, denn wie bereits erwähnt, konnte ich nur wenig Spanisch mein Eigen nennen. Zunächst aber sollten wir Freiwilligen uns mit Gabi, unserem Supervisor und Ansprechsperson des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort treffen. Nach typisch deutscher Gewohnheit machte ich mich pünktlich auf den Weg; da wenig Verkehr war, brauchte mein Bus nur 30 Minuten, anstatt wie am Vortag mehr als eine Stunde. Und so wartete ich eine Dreiviertelstunde auf die anderen und erkundete etwas die Umgebung...

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Das Busfahren ist hier komplett anders, als in Deutschland. Zum einen gibts es nicht wirklich einen Plan. Hin und wieder findet man an Zeitungsständen ein Buch, in dem die nummerrierten Linien (100 Stück) eingetragen sind. Die mit Namen (zB Agua Azul, Nueva Vision, Rapidos San antonio, Cholula Directo...) hingegen aber nicht. In dem Buch ist aber jede Linie einzeln und nicht mit anderem in einer Karte, nicht maßstabsgetreu und nicht genordet eingetragen. Zudem fehlt ein Straßennetz, man sieht also nur die Straßen, die tatsächlich von diesem Bus befahren werden. Zum Glück habe ich, mit meinem Werner'schen Hirn das Straßensystem hier nach wenigen Tagen verstanden (später dazu mehr). Wenn man nun eine passende Linie gefunden hat, stellt man sich einfach an die Straße (wo die Linie entlang führt) und hebt den Arm, sobald der entsprechende Bus vorbei fährt. Man erkennt die Busse an Farbe und Aufschrift, die meißt die ganze Windschutzscheibe ziert. Eine Fahrt kostet 5$ (Pesos, also 25 ct.) in den großen Bussen (bisschen kleiner als unsere ÖPNV Busse und deutlich heruntergekommener) und 4,50$ in den kleinen, VW Bus Größe. Wenn man aussteigen möchte, teilt man dies dem Fahrer mit und er hält an der nächst möglichen Stelle. Busse fahren mehr oder weniger alle 5 Minuten von morgens 6 bis abends 9.

Bei Gabi haben wir dann über alles mögliche gesprochen. Zum Beispiel, ob man hier das Papier in's Klo werfen darf, da neben den Toiletten eimer stehen. Das Papier kommt übrigens in den Eimer... Ein weiteres Thema war das Migration. In Mexico gibt es zwar kein Einwohner register oder so, als Fremder muss man sich aber anmelden. Und das bedeutet einiges an Demokratie. Wir vereinbarten, dass wir uns in der nächsten Woche darum kümmern würden.

In der Sprachschule wurden wir 10 dann in 3 Gruppen aufgeteilt. Der unterricht lief recht locker zu. Ein bisschen Gramatik, Vokabeln lernen (was meiner Meinung nach zuviel war, da man das zuhause machen kann, anstatt Unterrichtszeit darauf zu verschwenden) und ansonsten viele Sprachübungen, die mit Spielen verbunden waren, und nachmittags andere Spiele (Montagsmaler, Identität erraten,  Flüsterpost, Stadt-Land-Fluss mit spanischen Wörtern...)

Mittags sind wir immer zusammen essen gegangen. Es hat zwar meistens fad geschmeckt, für etwa 50$ (€ 2,50) hat man aber ein Menü mit 2 Vorspeisen, Hauptgang, Nachtisch und All-you-can-drink bekommen. Die Vorspeisen waren meißt eine Suppe, dann Reis, Nudeln oder Tortilla ähnliche Sachen. Im Hauptgang gab es verschiedene Fleichgerichte. Schwein oder Rind war immer sehr dünn geschnitten (2-3mm) das Hühnchen in Fäden zerfleddert, was beides üblich ist in Mexiko. Dazu gab es sehr spärlich Pommes (20 waren viel) und unangemachten Salat. Als Nachspeise gab es Kuchen oder Götterspeise, beides überaus süß. Aber bei dem Preis kann man sich nicht beklagen.


Am zweiten (schul-)Tag bin ich nach Unterrichtsschluss mit Lukas und Livianne auf die Pyramide von Cholulla gegangen. Sie ist dem Volumen nach die größte der Welt. Da auf ihrer Spitze aber eine Kriche, die "Santa Maria de los Remedios" steht, wurde dir Pyramide nie ausgegraben, sondern nur mir Tunneln erforscht. Der Spanische Feldherr Hernan Cortez ließ in Puebla Kirchen mit insgesamt 365 Kuppeln für 365 verschiedene Heilige errichten, für jeden Tag des Jahres eine, sodass es jeden Tag ein Fest geben sollte. Heute hört man Täglich Feuerwerke in der Stadt, wann immer ein Patrozinium gefeiert wird. Die Sant Maria auf der Pyramide ist eine sehr Barocke Kirche, fast jeder Zentimeter in ihr ist mit Stuck der Gold ausgeschmückt. Von außen, besonders von Osten her sieht sie mit ihren vielen Türmen und Kuppeln auß wie ein Palast. Das Bauwerk wirkt besonders imposant, da im Hintergrund der Popocatepetl, der Bedeutendste Vulkan Mexikos thront.









Am Donnerstag sind alle Freiwilligen vor Unterrciht dann wieder mit Gabi unterwegs gewesen. Diesmal auf einem Markt. Es gab alles von gebrannten DVDs und CDs über Kleider, frischen Früchten und Gemüse bis fertigem Essen und Fleisch, ganzen Sauen und Rindern. Was hier als Snack gegessen wird, ist fritierte Schweinehaut, ähnliuch wie Krabbenchips, nur eben in 1 m² großen Stücken zu kaufen. Auf dem Markt sah ich nun auch solche Kinder, mit denen ich arbeiten sollte. Sie spielten mit Abfall in den Gassen der Markthalle, wurden von ihren Müttern in Ecken gestillt, oder schliefen auf dem Boden. Kinder so zu sehen, oder wie sie an Kreuzungen sitzen, über die unser eins mit annähernd 100 Sachen drüber schießt, nur einen Meter von ihnen entfernt, und sie warten, dass die Ampel wieder auf Rot schält, damit sie den Insassen der Autos Sachen verkaufen können, lässt einem die Lust am Konsum vergehen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Mein erstes Wochenende in Puebla

Am folgenden Tag war ich schon mit meinem Gastbruder durch die Stadt unterwegs. Ohne ein Wort Spanisch zu sprechen machte er mich mit Studienkollegen und -kolleginnen von ihm bekannt und führten eine Umfrage für seinen Medienkurs an der Uni durch. Ich stand meißtens zwar nur im Hintergrund, schnappte aber bereits die ersten Brocken Spanisch auf. Zum Beispiel sagt man so gut wie nie "adios", sondern "hasta luego" (bis dann) um sich zu verabschieden.

Nebenbei machte ich schon mit dem lateinamerikanischen Zeitgefühl bekanntschaft. "ahorita": "ahora" bedeutet "jetzt". Ein eingefügtes "-it-" ist so ähnlich wie ein angehängtes "-chen" oder "-lein" im Deutschen. So wird aus "poco", "pocito"; aus "chico", "chicito" und aus "jetzt" ein "irgendwann" mal. Nicht selten verpassten wir oder unser Gegenüber vereinbarte Termine um eine viertel Stunde oder mehr, was aber für keinen ein Problem darzustellen schien.

Dass mein gleichaltriger Gastbruder Jésus, auch Chucho genannt, beinahe fließend deutsch spricht, war meine Rettung durch die ersten Tage.

Zum Frühstück hatte es übrigens einen frisch gepressten Saft (Mischung aus Citrusfrüchten), bereits geschnittene Papaya, gekochten Brokoli, Tortillas (traditioneller Maisfalden) mit Frijoles (Bohnen) und Rührei mit Schinken gegeben. Das Rührei mit Schinken macht man (kann man) zusammen mit den Frijoles auf / in die Tortilla um es dann als eine Art Sandwich zu essen. Ich empfand das als ein herzliches Willkommen. Bei der Gelegenheit überreicht ich dann auch meine Gastgeschenke, Schwarzwälder Schinken, Bergkirschwasser und Honigschnäpsle und ein Taschenmesser für Chucho.

Im Verlaufe des Nachmittags waren wir Kaffee trinken und kurz im Centro Histórico Pueblas, aber leider nicht lange genug um tatsächlich die Kathedrale, den Zócalo (der Zentrale Platz) und das Rathaus ausführlich zu betrachten, sondern nur um einen kurzen Blick darauf zu werfen.

Am Abend ging es dann in die "Antro" - Club oder Disco zu sagen ist hier richtig "out"! Zuerst haben wir uns mit Freunden in einer Bar getroffen, Pizza gegessen und ein Bierchen getrunken und dann gings ab Richtung "Camino Real", der Partygasse zwischen Puebla und dem Vorort Cholula. Da eine unserer Begleiterinnen den DJ kannte konnten wir uns auch in den abgetrennten Bereich der Antro begeben und dort tanzen reden und trinken. Nachts um 4 wurden Chucho und ich dann selbstverständlich von Mammi abgeholt; die Straßen sind um diese Urhzeit zu gefährlich...


Nach dieser langen Nacht fiel der Sonntag mit Brunch (gleich wie das Frühstück am Samstag, nur noch Fleisch zu den Tortillas und einer Maissuppe voraus), Kino (Surrogates mit Bruce Willis, die meißten Filme hier, auch im Fernsehen und auf DVD sind originalvertont, mit Untertiteln) einer Busroute für die nächtsen Wochen für mich finden, einem kurzen Besuch bei der Oma, die im Haus neben an wohnt, und Tacos Arabes essen auch nicht knapp aus und ich war noch glücklicher mit Mexico. Ein Wort noch zu den Taco Arabes: sie sind wie Tortillas mit ausnahmslos Fleisch gefüllt. Das Fleisch wird ähnlich wie Dönerfleisch zubereitet, es gibt aber eine größere Auswahl (an Tieren, wenn man das so sagen kann). Dazu gibt es verschieden Salsas, die von schmerzhaft scharf bis tränentreibend reichen.

Montag, 19. Oktober 2009

Willkommen auf meinem Blog


Ein herzliches Willkommen an alle Leser!

In diesem Blog werde ich ab und zu, hoffentlich mehr häufig als selten, von meinen Machenschaften im fernen Mexico berichten.

Wie Ihr alle wisst, bin ich für 1 Jahr nach Puebla gezogen, um da meinen Zivildienst, genauer gesagt anderen Dienst im Ausland, abzuleisten. Über das Deutsche Rote Kreuz hab ich eine Stelle bei der Fundación JUCONI A.C. (Junto Con las Ninas y los Ninos) gefunden.

Nach einiger Zeit der Vorbereitung (VISA, Impfungen, Termine mit dem DRK und anderen Freiwilligen, Persönliches...) bin ich schließlich am 2. Oktober mit 10 weiteren Freiwilligen aus mehr oder weniger ganz Badenwürttemberg von Frankfurt aus nach Mexico Stadt geflogen und von dort mit dem Bus nach Puebla, wo mich meine Gastfamilie schon erwartete. Nach Mitternacht, also am frühen Morgen des 3. Oktober war ich endlich richtig in Mexico angekommen und betrat mein neues Zuhause, wo ich, angestrengt von der langen Reise, erstmal viel Schlaf nachholen musste.